Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen lässt man als Mensch mit Zukunftsplänen lieber die Finger. Dazu gehören sicherlich Hedgefonds, S-Bahn-Surfen und Suchtmittelmißbrauch, aber eben auch Elektroinstallationen. Zumindest dann, wenn es nicht darum geht, eine handelsübliche Deckenlampe anzuschließen. Farbige Kabel per Lüsterklemme mit anderen farbigen Kabeln verbinden ist ja kein großes Kunststück, das kann wahrscheinlich auch ein dressierter Affe… und sogar ich. Wenn das Leben doch nur immer so schön einfach wäre…
Der Vorbesitzer dieser Wohnung war ein technisch begeisterter Mann mit einer Vorliebe für Steckdosen. Ich habe mal durchgezählt: in dieser 3Z-KDB-Wohnung finden sich davon 48 Stück. Für jemanden wie mich, der vorher in einer Altbauwohnung mit 2 Steckdosen pro Zimmer wohnte, wahrlich ein Kulturschock. Soviele neue Möglichkeiten… Der Vorbesitzer war aber offenbar auch nyktophob. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich im Schlafzimmer drei und im 4-qm-großen Flur VIER Lichtschalter befinden? Im Bad hatte dieser seltsame Mann Einbau-Halogenspots in die Deckenpaneele eingelassen, die alles schön hell machten und auch sonst recht pflegeleicht waren.
Genau, WAREN. Nachdem das Badlicht desöfteren kleine Aussetzer hatte tat sich eines Tages gar nichts mehr und es blieb schön dunkel. Uns war klar, dass es der Trafo sein musste. Wir versuchten, die Deckenpaneele abzubauen und oder den Trafo zu finden. Zwecklos. Im Kopf überschlugen wir die Kosten für einen Elektriker, seufzten und benutzten das Badezimmer fortan bei romantischem Allibert-Leuchtstoffröhrenlicht, in der Hoffnung, dass uns bald eine schlaue Lösung einfiele. Stattdessen brannte nach einigen Tagen die Leuchtstoffröhre durch. Hurra, das Schicksal hatte es also gut mit uns gemeint und die Dinge in die eigene Hand genommen. Es bescherte uns einen Besuch im Baumarkt (für eine neue Röhre) und einen Anruf beim Elektriker. In dem Moment, wo wirklich ALLES dunkel blieb wurde der Leidensdruck so hoch, dass er den Einsatz eines Fachmannes rechtfertigte.
Der Elektriker kam. Er baute die Halogenspots aus, prockelte in der Paneeldecke rum, zog hier, zog da, seufzte ebenfalls und erklärte uns, dass er zwar das Kabel findet, der Trafo aber IRGENDWO sitze wo man nicht rankäme. Er zog zwei Trafos aus seiner Tasche, legte einen auf die Kommode und nahm den zweiten mit ins Badezimmer. Daraufhin kniff er das Kabel zum alten Trafo durch und setzte einen neuen dazwischen. Toll, das Licht funktionierte wieder. Der Elektriker ging, ohne den Trafo auf der Kommode mitzunehmen. Elektrisch unbegabt wie wir sind wollten wir das Teil aber nicht und so begann eine endlose Telefoniererei, dass hier etwas vergessen wurde, und wann es abgeholt werden könne, usw. Niemand kam, nochnichteinmal eine Rechnung. Komisch.
Gestern gab dann das Licht im Flur auf. Also, eigentlich nicht. Stattdessen brannte es dauerhaft. Egal, auf welchen der vier Lichtschalter man drückte, da ging nichts aus. Offenbar hatte sich das Relais verabschiedet. Das einzige was half, war die Sicherung rausnehmen. Ganz schön dunkel, aber besser als 24 Stunden am Tag Festbeleuchtung. Da ich auf keinen Fall im Sicherungskasten rumfummel (Gründe siehe oben), aber auch nicht dauernd im fensterlosen Flur gegen die Kommode laufen will (aua) rief ich also den Elektriker meines Vetrauens an. Dann kann er endlich auch seinen Trafo mitnehmen. Mal sehen was er diesmal da lässt. Kleine Geschenke erhalten die FreundKundschaft.